Steuerkanzlei Herbert Krüger in Tübingen


Schon 1511 haben die Fugger erstmalig eine Bilanz erstellt. Matthäus Schwarz, der in Venedig ausgebildete Hauptbuchhalter des Augsburger Fuggerhauses, stellte der italienischen im 16. Jahrhundert eine „teutsche“ Buchhaltung gegenüber. Das Hauptbuch wurde in ein Personenkonten- oder „Schuldbuch“ und ein Sachkontenbuch oder Capus kategorisiert. Hinzu trat ein „Unkostenbüchlein“ für Kosten, Verbrauchsteuern usw. sowie ein „Geheimbuch“ des Prinzipals, das neben innerbetrieblichen Kalkulationen der direkten Abgaben vor allem die Gewinn- und Verlustrechnung aufnehmen sollte.

Weiterentwickelte Arbeiten über die Rechnungsführung erschienen im Verlaufe des 16. Jahrhunderts in Italien, Deutschland, Holland, Frankreich und England. Diese umfassten bereits Darstellungen des Konzepts für Guthabenposten (Betriebsvermögen), Lastposten (Verbindlichkeiten) und Erträge. Des Weiteren ist hier das erste Buchhaltungslehrbuch des Mathematikers Sartorius aus dem Jahr 1592 erwähnenswert.

Die Periodenrechnung (Geschäftsjahr oder Kalenderjahr) mit periodischem Bücherabschluss entwickelte sich im Zuge des andauernd wachsenden Warenverkehrs nach und nach bis ins 17. Jahrhundert. Zu dieser Zeit wurden Wareneingangs-, Warenausgangs- und Kassenbücher, Journale usw. geführt. Anlagekonten und Betriebsbuchhaltung wurden erst zu Beginn des Industriezeitalters strukturiert ausgebaut. Die Anforderungen an Finanz- und Betriebsbuchhaltung stiegen sowohl durch die Einsichten der Handelswissenschaften und der Betriebswirtschaftslehre als auch durch die Gesetzgebung seit Ende des 19. Jahrhunderts.

Nach und nach wurde auch die Gesetzgebung rund um die Buchführung entwickelt. Die gesetzliche Bilanzierungspflicht für Preußen findet man im preußischen Allgemeinen Landesrecht des Jahres 1794 zum ersten Mal so: „Ein Kaufmann, der entweder überhaupt keine zuverlässige Bücher führt, oder die Ausgewogenheit seines Vermögens, wenigstens jährlich einmal zu ziehen unterlässt, und sich dadurch in Verunsicherung über die Lage seiner Umstände erhält, wird bei ausbrechendem Zahlungsunvermögen als achtloser Bankerutirer bestraft.“

Nach der schwindelerregenden Gründerzeit der Aktiengesellschaft wurden auch im Handelsrecht – in Deutschland mit der Aktiennovelle von 1884 – neue Signale gesetzt: Die gewachsenen Normen der Bilanzerstellung wurden dem Recht entsprechend eingeschärft; ihre Überschreitung wurde unter Bestrafung gestellt; die ganze anerkannte Kaufmannschaft wusste sich bestätigt und auf die Grundsätze „ordnungsmäßiger“ Bilanzierung in die Pflicht genommen. Zur Kopplung der Steuererklärung mit der Handelsbilanz führte dann das Preußische Einkommensteuergesetz von 1891.

Die Buchführung reagierte immerwährend auf die Fortentwicklungen der Informationsaufzeichnung und -verarbeitung. Mit hoher Gründlichkeit wurden die Bücher geraume Zeit handschriftlich geführt. Dadurch, dass die händischen Konteneintragungen auf das Journal kopiert (durchgepaust) wurden konnte mit den Möglichkeiten von Durchschreibeverfahren Zeit und Arbeit eingespart werden. Dazu mussten jedoch die Bücher in einzelne Blätter aufgelöst werden. Eine Art Revolution war das für den traditionsbewussten Buchführer. Das Durchschreibeverfahren mit der Schreibmaschinentechnik wurde weiterentwickelt und anschließend mit Buchungsautomaten, die schlichte Rechenaufgaben vornehmen konnten. Die ersten Buchungsautomaten waren manuell-mechanisch, später wurde ein elektromechanischer Antrieb entwickelt. Die Buchungsdaten konnten mit sogenannten Magnetkonten zum ersten Mal ab den 1960er Jahren auch elektronisch aufgezeichnet werden. Spezielle Magnetkonten-Computer dienten als Interface zwischen klassischer Buchhaltung und moderner elektronischer Datenverarbeitung. Mittlerweile findet die Buchführung fast nur noch elektronisch statt. Für Personalcomputer gibt es eine Vielzahl mehr oder minder anwendungsfreundlicher Buchführungsprogramme. Die Buchhaltung eines Betriebs hat sich im Zentrum mit ihrem Kontensystem nur kaum verändert, trotz dieser sich drastisch von Stift und Papier unterscheidenden technischen Mittel. Gegenwärtig ist das Journal eine Tabelle einer relationalen Datensammlung, es speichert des Weiteren die Zugriffszeit und den bearbeitenden Benutzer, weil keine Handschrift mehr erfolgt und ist den Voraussetzungen entsprechend zugriffsgeschützt. Die verbleibenden Grunddaten, wie auch der Kontenrahmen, der als Vorlage der Kontenstammdaten dient, werden datentechnisch auf das Journal verknüpft. Auf vorprogrammierten Abrufen aus der Datenbank basieren Prüfungen und Berichte wie z. B. Forderungen, Umsatzsteuer-Voranmeldung, Jahresabschluss. Auf Knopfdruck einsehbar sind selbige nach der Belegerfassung (der Eintragung der Belege ins Journal). Hinter dem Kontenstamm sind wiederum die Steuerarten und -sätze verknüpft.